Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Burnout und Depression?

Bei einem akuten Burnout und einer Depression sind die Symptome oft ganz ähnlich, wie beispielsweise Konzentrations- und Schlafstörungen, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Überforderung, gedrückte Stimmung, innere Leere sowie sozialer Rückzug. Die Grundeinstellungen und Sichtweisen sowie das Selbstbild der Patienten und die Dynamik der Entstehung der Erkrankung unterscheiden sich jedoch bei genauerer Betrachtung. Ebenso wird die Erschöpfung von den beiden Personengruppen unterschiedlich erlebt. Während Burnout-Patienten durchaus Ideen entwickeln können, was sie tun würden, wenn sie nicht so erschöpft wären, gelingt das Personen, die unter einer Depression leiden, eher nicht.

Ein Burnout entsteht entweder schleichend über mehrere Jahre oder entwickelt sich rasant innerhalb weniger Monate. Für Burnout-Gefährdete hat Arbeit und Leistung meist einen sehr hohen Stellenwert, sie haben zudem ein starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl und neigen zu Perfektionismus. Der Weg ins Burnout beginnt aber oft erst dann, wenn eine erwartete Anerkennung oder versprochene Veränderung trotz der gesteigerten Anstrengung über lange Zeit nicht eintreten. Überhöhte Ansprüche und die Unerreichbarkeit wichtiger Ziele führen schließlich zu einem Zustand chronischer, emotionaler, mentaler und physischer Erschöpfung. Burnout-Patienten kämpfen jedoch sehr lange dafür, das Unschaffbare trotzdem zu schaffen und überschätzen dabei tendenziell ihre Möglichkeiten. Oft treten begleitend auch körperliche Symptome oder Panikattacken auf, die den „Zusammenbruch“ erst spürbar machen. Letztendlich sucht man die Schuld für sein „Scheitern“ in der eigenen Person, wodurch das Selbstwertgefühl sinkt und sich Ängste, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ausbreiten.

Zur Entstehung von Depression gibt es eine Reihe von Erklärungsmodellen und Risikofaktoren (Gehirnstoffwechsel, genetische Faktoren, kulturell-gesellschaftliche Faktoren, frühkindliche Bindungsmuster, belastende Lebenssituationen bzw. -ereignisse, etc.). Typische Kennzeichen sind die anhaltend gedrückte Stimmung bis hin zu regelmäßigen Weinattacken und Selbstmordgedanken sowie der Verlust an Freude und Interesse an diversen Aktivitäten. Dies kann bei schweren Episoden so weit gehen, dass einfache Tätigkeiten wie Körperpflege oder Einkaufen zu unüberwindbaren Hürden werden. Die Zukunft wird weitestgehend negativ und unbeeinflussbar gesehen. Menschen, die unter Depressionen leiden, sehen sich als abhängig von ihrer Umwelt, schätzen ihren eigenen Handlungsspielraum als sehr gering ein und sehen ihre eigenen Ressourcen und Potentiale nicht. Manche depressiven Patienten sind leicht reizbar, zeigen eine erhöhte Aggressivität und sehen die Ursachen für ihre negative Gestimmtheit eher in ihrem Umfeld. Ein niedriges Selbstwertgefühl, Ängstlichkeit und Schuldgefühle spielen hier aber sehr oft auch eine wichtige Rolle.

 

Literatur:

Brühlmann, T. (2010). Burnout und Depression – Überschneidung und Abgrenzung. Schweiz Med Forum, 10(8), 148-151.

Meiss, O. (2016). Hypnosystemische Therapie bei Depression und Burnout. Heidelberg: Carl-Auer.

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Leichtigkeit leben

Leichtigkeit leben

Dieses Interview mit mir zum Thema „Leichtigkeit“ erschien 2019 in der Zeitschrift „Baden Passion“:

Was bedeutet für Sie Leichtigkeit?

Die Dinge gehen „leicht von der Hand“, man ist unbekümmert, zufrieden und genießt das Leben. Leichtigkeit kann man aber nicht schätzen, wenn man nicht auch die Schwere kennt.

Wie kann die Leichtigkeit verloren gehen?

In unserer Gesellschaft ist Leistung in allen Lebensbereichen gefordert. Im Beruf entscheidet ein Performance-Rating über den Bonus. Die Medien zeigen uns, wie man schön, fit und schlank wird. Die Freizeit unserer Kinder ist verplant mit der Förderung ihrer Talente und selbst im Urlaub posten wir sofort Selfies in sozialen Medien. Dabei vergisst man, das Leben zu genießen.

Wie kommt man zu mehr Leichtigkeit?

Es geht darum, in Kontakt mit sich selbst und seiner Umwelt zu sein und weniger im „Auto-Pilot-Modus“ zu erledigen. Eine Möglichkeit ist die bewusste Fokussierung der Aufmerksamkeit auf den Moment, so wie das auch Kinder beim Spielen machen. Meditation, das Gebet oder ein persönlicher Leitsatz sind weitere Möglichkeiten. Eine Social-Media-Auszeit und die Reduktion der persönlichen To-Do-Liste können auch zu Leichtigkeit beitragen.

Wann helfen diese Tipps nicht mehr – wann hilft Psychotherapie?

Psychotherapie hilft immer, wenn es schwieriger wird, der Leichtigkeit Raum zu geben. Sehr oft kommen Menschen aber erst zur Psychotherapie, wenn Schlafstörungen, körperliche Beschwerden oder Panikattacken auftreten. Frühe Warnzeichen (Vergesslichkeit, geringe Lebensfreude, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche) wurden dann bereits übergangen.

Artikel in Baden Passion – Frühling 2019